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Schon ist wieder ein halbes Jahr vergangen! Der Herbst hat mir ein wunderbares Lauftraining mit neuen Bestzeiten auf Halbmarathon- und Marathondistanz beschert, und ich durfte einen phantastischen Urlaub am anderen Ende der Welt erleben.

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Nur sporadisch habe ich ein paar neue Bücher gelesen und Filme geschaut, die ich euch jetzt vorstellen möchte.

Bücher

Im Juli erreichte mich eine Mail von Kai-Wolfgang Hansmann, dem Autor der 1996 erschienenen Transmann-Autobiographie „Als Mann endlich glücklich„. Das Buch wurde 2009 bei Books on Demand neu aufgelegt und jetzt für 22,80 € z. B. bei amazon.de oder direkt bei bod.de erhältlich.

Bei queer.de entdeckte ich eine Autobiographie eines transsexuellen Models. Spannend – Transfrau und dann als Model gearbeitet? Das Buch „Blumen für ein Chamäleon“ von Valeska Réon (2012 erschienen) liest sich sehr angenehm und flüssig, und die Lebensgeschichte ist recht interessant. Über eine unglückliche Kindheit und Jugend kommt sie in die neue soziale Rolle bei der sie unterstützenden Tante in eine Lehre als Friseurin, dann gelingt ihr der große Sprung in die Modelwelt, die Herkunft und die männlichen Spuren am Körper sorgfältig versteckend. Von da aus ging die Modelkarriere mit Riesenschritten voran, und irgendwann folgte schließlich die so lang ersehnte Operation, danach der richtige Partner. Nach der Lektüre freut man sich über ein gelungenes Leben, wobei ich mehr als einmal den Eindruck hatte, dass Manches in ihrem Leben zu perfekt wirkt. Vielleicht darum: Das Buch ist zwar eine Lebensaufzeichnung, jedoch mit dem augenzwinkernden Kommentar, dass „im harten Kern […] dieses Buch meinem aufregenden Leben“ entspricht. Unter dem Strich zweifellos eine Leseempfehlung! Im Buch erwähnt sie übrigens einige Schönheitsratgeber, die sie verfasst haben will – nach etwas aufwändigerer Recherche habe ich tatsächlich auch drei Titel gefunden und ein bisschen darin gelesen, die Namen werde ich hier aber nicht verraten.

Ebenfalls 2012 erschienen ist das Buch „Begegnungen auf der Trans*fläche: reflektiert 76 queere momente des transnormalen alltags“ vom kollektiv sternchen und steine. Der Gegensatz zur eben erwähnten Autobiographie ist beträchtlich, denn hier werden nicht „klassische“ Transfrauen-Lebenslinien beschrieben, sondern in Kurzgeschichten und Zeichnungen die manchmal amüsanten, manchmal grotesken und manchmal schmerzhaften Absurditäten des Trans*-Alltags, mit zum Teil viel Humor und aus der Sicht von „autonomen/anarchistischen/queer-feministischen Trans*Leuten“. Protagonisten und Erzähler sind oft Transmänner und „LesbiSchwulQueere“ Leute, die mir vertrauteren Transfrau-Erlebnisse sind beinahe in der Minderheit – ich habe sowieso den Eindruck, dass sich Leute wie ich nicht besonders gut eignen, die gängige Heteronormativität in ihrem eigenen Lebensentwurf in Frage zu stellen (Toleranz für andere Entwürfe ist allemal da, nur selbst leben will ich es nicht). Prädikat: Ein anderer Blick und damit lesenswert!

Im Herbst erreichte mich eine Mail zu einem weiteren 2012 neu erschienenen Buch „Schlauchgelüste“ von Jacob Winter, zur Abwechslung mal ein E-Book (dürfte das erste sein, dass ich hier erwähne). Nach Aussage des Autors ein autobiographischer Transgender-Roman und ein „Liebesbrief an eine verlorene Männlichkeit mit Cabaret-Erinnerungen an die „Sex’n Roll“-Zeiten der sechziger, siebziger und achtziger Jahre“. Ich habe mich noch nicht entschließen können, dieses Buch zu erwerben, die Einordnung in „Erotic Stories“ und das Titelbild schrecken mir derzeit eher ab (bzw. erinnern mich an reißerische ältere Titel wie „Im falschen Körper gefangen“ von Christa Geibel (1983) und „Ich war ein Mann“ von Alexandra (1992). Eine Leseprobe habe ich mir indes bereits heruntergeladen, sie liest sich erst mal eher unspektakulär (und sprachlich etwas ermüdend, weil fast nur aus Hauptsätzen bestehend). Erwähnt sei die Homepage des Autors: http://www.jacobwinter.beepworld.de/. Queer.de hat das Buch vorgestellt: http://www.queer.de/detail.php?article_id=18199 – die Rezension schließt recht positiv.

Gerade erst zu Ende gelesen habe ich ein Buch, das bereits 2005 erschienen ist. „Schnittmuster des Geschlechts. Transvestismus und Transsexualität in der frühen Sexualwissenschaft.“ von Rainer Herrn, siehe dort für Details. Das Buch fand ich ziemlich spannend: Zum einen, weil der Autor die historischen Anfänge unseres heutigen Umgangs mit T* aus dem Dunkel des Vergessens gegraben hat, zum anderen gibt es interessante Parallelen zu heute (was z. B. das Verhältnis der Grüppchen untereinander angeht). Ich interessiere mich für die Transgender-Geschichte und ihre Pioniere, das machte die Lektüre für mich doppelt spannend. Nicht nur habe ich allerhand Neues über Lili Elbe – die Namensgeberin dieser Website – erfahren, sondern auch den historischen Kontext kennengelernt, in dem ihre Autobiographie entstand und ihre Operationen stattfanden. Und ich stellte fest, dass ihre Biographie wohl nicht die allererste ist, die erschien, sondern bereits vorher (1901 oder 1906) ein Buch „Weiberbeute“ von Luz Fraumann erschien. Dieses Buch scheint aber gänzlich verschollen zu sein, es lässt sich in keinem Bibliothekskatalog oder einer antiquarischen Datenbank finden. Es gibt nur Erwähnungen in anderen Werken. Fazit: Wer sich für die Geschichte von Transgender interessiert, findet hier ein Schlüsselwerk!

Filme

Zweiohrküken„, 2009 erschienen, ist der einzige „neue“ Film, den ich in letzter Zeit gesehen habe und der hier Aufnahme findet (inzwischen ziemlich günstig als Blu-ray zu haben). Allerdings fand ich ihn recht mau. Ist „Keinohrhasen“ durchaus noch eine liebenswerte Komödie, kommt Zweiohrküken als Fortsetzung sehr grobschlächtig daher. Es geht mehr oder weniger nur um Sex, und der Humor ist plump. Ich erwähne ihn hier, weil Til Schweiger en femme auftritt – mit viel Make-up richtet er sich her und gibt eine ganz passable Frau ab. Das ist sicher sehenswert für alle, die gern Crossdressing im Film sehen. Ansonsten steht Til Schweigers Auftritt im Fummel eher in der peinlichen Tradition des Verwechslungsklamauks der 70er Jahre.

Sehr viel ernsthafter ist dagegen „Transpapa„, der im November in die die deutschen Kinos kam (freilich nur wenige) und bald danach im SWR ausgestrahlt wurde. Leider zu spät am Abend für mich, so dass ich den Film noch nicht sehen konnte. Die Presseinfo sagt: „Maren steckt mitten in der Pubertät, als sie erfährt, dass ihr Vater – den sie auf einem Selbstfindungstrip in Nepal wähnt – sich längst gefunden und das Geschlecht gewechselt hat. Heimlich macht sie sich auf den Weg in die spießige Vorstadtidylle Nordrhein-Westfalens, um ihren Vater zu suchen, und findet Sophia, die eigentlich viel lieber ihre Mutter sein würde.“ Vom Stern gab es eine überaus positive Kritik (leider nicht mehr online).

Durch Rezensionen zum Film „Cloud Atlas“ wurde ich noch auf etwas Anderes aufmerksam. Schon vor Jahren hatte es ein Foto und entsprechende Gerüchte gegeben, jetzt ist es offiziell: Die Wachowski-Brüder (Schöpfer u.a. der Matrix-Trilogie) sind inzwischen die Wachowski-Geschwister. Lana Wachowski (früher Larry) hat sich öffentlich zu ihrer Transsexualität bekannt (besser: zu ihrem Frausein). Ein mutiger Schritt — wobei ein nicht-öffentliches Leben als Filmemacher ja kaum möglich gewesen wäre.

Medien

Am 18. Juli war bei Stern TV u.a. Transsexualität ein Thema. Vorgestellt wurden u.a. zwei transsexuelle Mädchen und ihre Mütter — die Kinderschicksale und ihre Möglichkeiten und Probleme wurden dem Publikum durchaus einfühlsam vermittelt. Daneben wurde eine Expertin (Saskia Fahrenkrug) vom UKE Hamburg befragt. Mehr dazu auf der Website von Stern TV. Als 2. Fall wurde Lukas Schuler, ein Transmann mit Tochter vorgestellt. Schon seit 2009 begleitet Stern TV ihn. Inzwischen hat er den Penisaufbau hinter sich gebracht und eine Partnerin geheiratet.

Am 22. Juli strahlte Phoenix eine Dokumentation über die Päpstin Johanna aus. Inhalt war die Spurensuche nach der angeblichen weiblichen Päpstin. Frauen, die Männerkleider anzogen — die Moderatorin Petra Gerster brachte hier den Begriff „Crossdressing“ ins Spiel und erwähnte in dem Zusammenhang auch Jeanne D’Arc und die Heilige Eugenia. So interessant die Dokumentation war, der ganze pseudofeministische und antikatholische Unterton und Petra Gersters Rumgepatsche auf diversen Touchscreens nervten doch etwas.

Spiegel Online berichtete über einen Schülerzeitungs-Wettbewerb, bei dem ein Interview zum Thema Transsexualität den ersten Platz in der entsprechenden Kategorie gewann. Das freut mich natürlich, warum aber werden immer und immer wieder uralte Gemeinplätze ausgewalzt? Immerhin schließt der Beitrag mit einem netten Fazit.

Ein klitzekleine Begebenheit aus der Welt des Qualitätsjournalismus: Der US-amerikanische Nachrichtensender CNN verwechselte in einem Beitrag über die verstorbene Whitney Houston ein Foto und blendete stattdesses das eines Travestiekünstlern ein.

Außerdem lief auf RTL 2 eine Serie „Transgender“, die verschiedene Transgender-Personen eine Weile begleitet hat. Ich hatte nur eine Folge gesehen und fand die für RTL2-Verhältnisse erstaunlich positiv. Geskriptet können zumindest die Personen selbst nicht sein, wie es um ihre Charakterisierungen und Erlebnisse steht, kann ich bisher nicht sagen. Einige Folgen habe ich mir heruntergeladen, sie harren auf der Festplatte ihrer Ausstrahlung in meinem Wohnzimmer.

Musik

Im Juli 2012 lief auf arte eine Sendung über Kurt Cobain, Frontmann der Band Nirvana. Das hat nichts mit dem Thema hier zu tun, ich weiß, aber irgendwann in den Neunzigern hatte ich die CD des Albums „In Utero“ bei einem Freund in der Hand, und die war bedruckt mit einem Mann in Slip und BH. Der Mann ist Michael „Cali“ DeWitt, ein Freund Kurts.