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Bibliographische Angaben

Die Fakten zum Buch:

  • Autorin: Jürgen Lemke.
  • Titel: Ganz normal anders.
  • Untertitel: Auskünfte schwuler Männer.
  • Verlag: Aufbau Verlag, Berlin und Weimar, DDR.
  • Erscheinungsjahr: 1989.
  • ISBN: 3351014554.
  • Bindung: Taschenbuch, 286 Seiten.
  • Ehemaliger Preis: 8 Mark der DDR (vergriffen).

Umschlagtext

In diesem Buch kommen vierzehn schwule Männer zu Wort. Der Älteste ist über achtzig, der Jüngste achtzehn. Unter ihnen sind Arbeiter, Angestellte, Intellektuelle und Künstler. Jürgen Lemke, Jahrgang 1943, Dozent für Ökonomie, hat ihre Lebensgeschichten erfragt, mit dem Kassettenrecorder festgehalten und aufgeschrieben. Entstanden ist ein fesselndes Dokument, das individuelle Schicksale mit Alltagsgeschichte verknüpft und Auskunft gibt über die Toleranzfähigkeit unserer Gesellschaft.

Mit einem Kapitel von Charlotte von Mahlsdorf.

Inhaltsverzeichnis

  • Ganz anders und normal?  Irene Runge
  • Heroische Geschichten lassen sich von uns nicht erzählen.  Erich, 1900–1986, Arbeiter
  • Ich bin ein Mann und möchte mit einem Mann leben.  Dieter, geboren 1946, Arbeiter
  • Ich bin meine eigene Frau.  Lothar, geboren 1927, Konservator
  • Weil ich schwul bin, bin ich nicht besser und nicht schlechter als die andern.  T., geboren 1963, Kellner
  • Eigentlich leben wir wie ein kinderloses Ehepaar.  Peter, geboren 1944, Schriftsetzer und Volker, geboren 1948, Außenhandelskaufmann
  • Sexus und Eros sind für mich nicht unter einen Hut zu bringen.  J. A. W., geboren 1917, Maler und wissenschaftlicher Mitarbeiter
  • Die Gesellschaft hätte mehr von mir haben können.  Joseph, geboren 1944, Ökonom
  • Ich betrüge meine Frau mit einem Mann.  R., geboren 1935, LPG-Bauer
  • In meiner Umgebung gelte ich als verkrachte Existenz.  Winne, geboren 1963, Angestellter
  • Das ist mein junger Freund, wie lieben uns!  K., geboren 1907, Drogist
  • Mit Saufen macht man keine Punkte.  Body, geboren 1947, Arbeiter
  • Ich möchte normal sein.  N., geboren 1944, freiberuflich
  • Wer ich bin und was ich will, ist eng verbunden mit meiner Sexualität.  Bert, geboren 1961, Arbeiter

Kommentar

Über einen Hinweis in »Nichts darf sinnlos enden« habe ich dieses Buch entdeckt. Wie die meisten Bücher dieser Zeit in der DDR auf dünnem, grauen Papier gedruckt, kommt es unscheinbar daher, doch ist es eines der wenigen DDR-Bücher, in dem ein Transgender der Wort kommt. 1988 hatte man in der DDR Homosexualität offiziell in die Straffreiheit entlassen, und so erschienen bis zum kurz danach folgendem Ende dieses Staates noch einige Zeugnisse homosexuellen Lebens in der DDR (siehe auch den Film »Coming Out«). So auch dieses Buch. Zwischen verschiedenen Portraits schwuler Männer in der DDR gibt es ein Kapitel von ihr, aufgezeichnet 1986, hier vorgestellt mit ihrem bürgerlichen Namen Lothar. Wer Charlottes Autobiographie »Ich bin meine eigene Frau« kennt, wird viel davon bereits kennen, in diesem Buch jedoch bekommt unser Bild von ihr weitere Facetten. Auch nimmt sie hier schon den Titel ihres späteren Werk vorweg und erzählt, woher dieses Motto kam. Charlotte erzählt einiges mehr über ihre Identität und ihre Erlebnisse als weiblich lebender Mann als in der Autobiographie, und zwischen den Zeilen klingt es für mich, als hätte sie in späteren Zeiten eine komplette Transition durchgezogen. Für ihre Fans ein lesenswertes Beitrag aus der Zeit vor der Wende, zumal es das Buch für wenige Euro antiquarisch zu kaufen gibt. Auch die übrigen Kapitel sind ein spannendes and anrührendes Stück Zeitgeschichte!  Laura

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